Bist du Organspender?
Ich beschäftige mich schon länger mit der Frage, ob ich mir einen Organspender Ausweis zulegen soll oder besser doch nicht. Ich glaube nicht an das Leben nach dem Tod oder ähnlichen Krempel, es gibt für mich also keine religiösen Gründe mich dagegen zu entscheiden. Ich habe da ganz andere Zweifel.
Zum Beispiel der Gedanke, in irgendeinem System mit meinen genetischen Daten, registriert zu sein. Nur mal angenommen, jemand mit sehr viel Geld benötigt ein Organ, ich bin mir sicher, es gibt Menschen die eines "besorgen" können. In chinesischen Arbeitslagern soll es ja an der Tagesordnung sein, das Menschen "verschwinden". Im Stern habe ich mal einen Artikel gelesen, in dem beschrieben wurde, wie Inder gezwungen werden, sich Organe (meist Nieren) entnehmen zu lassen, um ihre Familie zu versorgen. (Gut, der Stern schreibt auch über die Hitler Tagebücher ... sorry der musste sein
) Ich weiß auch nicht was genau inexiert wird. Handelt es sich dabei um mein komplettes Genom? Kann ich mir sicher sein, dass niemand in meinem Genom nach einem Pädophilen-Gen oder so schaut? Kann ich mir sicher sein, dass die Organ-Mafia nicht an die Daten gelangt?
Das ein großer Bedarf an verwertbaren Leichen besteht ist kein Geheimnis. Falls ich mir also einen Organspender Ausweis zulege, muss ich mir noch genau überlegen, was ich "verwerten" lassen will. Wenn man der Organentnahme bedingungslos zustimmt, wird man wirklich komplett ausgeschlachtet. Inklusive Augen, Sehnen, Knochen, Muskelfasern oder man findet seine Darmbakterien in einem "ich fühl mich so aufgebläht" Joghurt wieder ... *örks*.
Fakt ist, es sterben Menschen die nicht sterben müssten, würden sich ein paar mehr von diesen engstirnigen Typen (zu denen ich auch gehöre) endlich durchringen ihre Organe, die sie nach dem Tod doch nicht mehr benötigen, zu spenden. Nur das mit dem Durchziehen ist halt so eine Sache ...
Wie seht ihr das? Habt ihr einen Organspenderausweis? Findet ihr alle sollten verpflichtet werden Organe zu spenden oder seit ihr total dagegen? Ich freue mich auf eure Beiträge.
thinkJD
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Mai 11th, 2010
Mit der Frage habe ich mich auch schon beschäftigt. Ich habe mich GEGEN einen Organspendeausweis entschieden. Für mich zählen ebensowenig religiöse Gründe noch “vernünftige” Gründe, sondern einfach “Unvertrauen”.
Ich denke religiös würde es sein, wenn man anderen Menschen selbstlos seine Organe spendet – man braucht sie, so abgedroschen es sich anhört, ja sowieso nicht mehr. Vernünftig wäre es auch, denn wir wissen alle von unendlich langen Listen wartender Patienten, die unbedingt ein Organ benötigen.
Mein Grund, der für mich dagegen spricht:
Wenn ich Organspender bin (und ich gehe davon aus, dass ich nicht nur ein Organ spenden würde) könnte ich mehrere Menschen “retten” oder ihnen zumindest ihr Leben erleichtern. Ich will jetzt auch nichts bösartiges über das Gesundheitssystem sagen. Aber wer garantiert MIR, dass MEIN Leben nicht abgewertet wird. Was ist wenn man mit meinen Organen mehrere Menschen retten kann – wenn die Ärzte sagen “10 zu 1. 10 Leben gegen 1 Leben” und Maschinen abgestellt werden o.ä. Natürlich wird gesagt, dass passiert nur, wenn man hirntot ist, wenn es keine Chance mehr gibt. Vielleicht bin ich paranoid oder sowas. Aber wer garantiert mir das? Was wenn ich doch noch einen Funken Hoffnung habe – was wenn der Funke “übersehen” wird, weil man damit mehr Leben retten kann?
Für mich ist das der Grund. Keine Gehässigkeit an Mitmenschen, nicht, dass ich anderen nicht gerne helfen würde. Sondern nur die Angst, dass mein eigenes Leben abgewertet wird.
Twitter: thinkJD
Mai 11th, 2010
Im Kern ist genau das auch meine Angst. Ein Arzt würde wahrscheinlich darüber lachen.
Was mir an der ganzen Sache fehlt, ist die Transparenz. Ich hab keine Ahnung was genau passiert und wie welche Teile von mir verwendet werden. Würden in einer Aufklärungskampagne alle Fakten unverfälscht auf den Tisch gelegt, glaube ich, dass sich viele Menschen für eine Organspende entscheiden würden.
Twitter: rabautz
Mai 12th, 2010
Meine Lunge können sie später haben .. um ein Schlagloch zu füllen …
Das Vertrauen ist aber nicht wirklich da … also zu deiner Frage: Nein
Ist ähnlich wie Blutspenden. Wenn ich sehen würde, das mein Blut “direkt” in nen anderen geht, dann ja … aber mich abzapfen zulassen für nen Keks und Orangensaft und die verticken mein Blut weiter … klares nein
Twitter: thinkJD
Mai 12th, 2010
Beim Blutspenden sehe ich das nicht ganz so wie du.
Ich weiß nicht, ob man da vom Verticken reden kann, die Infrastruktur muss ja auch bezahlt werden.
Ich habe mal von dem Gerücht gehört, dass man nur kostenlos Blut bekommt, wenn man selbst welches spendet. Weiß jemand, ob da etwas dran ist?
Mai 16th, 2010
das ist eindeutig unwahr niemand bekommt kostenlos Blut es sei denn per Eigenspende oder durch Direktspende von engsten Verwandten.@thinkJD
Twitter: thinkJD
Mai 16th, 2010
Ach, jetzt weis ich auch, wie das Gerücht zustande kam. Kann es sein das viele denken, sie bekommen wenn ihr eigenes Blut, wenn sie z.B. beim Roten Kreuz spenden gehen?
Es hält sich auf jeden Fall hartnäckig