7 Fragen und Antworten mit der Leiterin des Berliner Planetariums
Kommen wir zum Dritten und letzten Teil der Planetariumartikelserie. (Teil 1 und Teil 2)
Dank Google Alerts, hat sich die Leiterin des Berliner Planetariums, Frau Dr. Monika Staesche in den Kommentaren zum ersten Artikel verewigt.
So eine Gelegenheit muss man nutzen, also habe ich sie direkt mit Fragen gelöchert
1. Was ist ihre Aufgabe als wissenschaftliche Leiterin in einem Planetarium?
Unser Planetarium und die dazugehörige, nur 300m weiter auf dem Insulanerhügel liegende Sternwarte, werden vom Verein der Wilhelm-Foerster-Sternwarte e.V. betrieben, dem ich ebenfalls seit 1982 angehöre. Wir haben nur 6 feste Mitarbeiterstellen, darunter den Wissenschaftlichen und den Technischen Leiter. Entsprechend sind - wie in kleinen Betrieben üblich - die Aufgabenfelder nicht immer klar unterscheidbar.
Summa summarum kümmere ich mich um alles, was mit dem Tagesgeschäft und der Organisation zu tun hat, also Programmredaktion, Programmlayout, Marketing, Pressearbeit, Organisation des Führungsbetriebes, Entwurf und Realisierung neuer Veranstaltungen etc. .
Oft ein 12-Stunden-Tag, bei dem Beruf und Privatleben miteinander verschmelzen, aber das war mir vorher klar, als ich vor etwas über 2 Jahren mein Hobby zum Beruf gemacht habe.
Ich mache nebenbei selbst auch noch Veranstaltungen - bei uns läuft ein Großteil der Veranstaltungen live ab -, aber das ist nicht unbedingt Teil meiner Aufgaben. Um die Vertretung des Vereins nach außen sowie dessen Finanzen kümmert sich ein ehrenamtlich tätiger Vorstand, der alle zwei Jahre neu gewählt wird.
Formal bin ich Angestellte des Vereins.
2. Wie viele Vorführungen hat ihr Planetariumsgerät schon hinter sich?
Das kann ich nur in etwa abschätzen... Das Gerät ist ein Jahr "älter" als ich, also Baujahr 1965. Pro Jahr haben wir momentan so um die 1000 Veranstaltungen, früher waren es teilweise noch mehr. Wir kommen also sicher auf etwa 45.000 Veranstaltungen, wahrscheinlich mehr - wobei das Gerät unterschiedlichen Anteil an den verschiedenen Programmen haben kann.
3. Ein Fulldomesystem ist bestimmt günstiger zu haben, warum werden immer noch Planetariumsgeräte gekauft? Wo liegen ihre Vorteile?
Ein Fulldomesystem - wir haben eine 20m-Kuppel, ein Beamer würde da nicht reichen, unser neues System hat insgesamt 8 - ist bei einem Großplanetarium nicht sehr viel billiger als ein neuer Projektor. Ein Zeiss Universarium IX, was das für unsere Kuppel geeignete Gerät wäre, ist samt Einbau für rund 3 Millionen EUR zu haben.
Für unser Fulldome-System hat uns die Klassenlotterie 2,7 Millionen EUR zur Verfügung gestellt. Ansonsten reicht bisher kein modernes Fulldome-System von der Leuchtkraft und Punktförmigkeit her an ein neues Planetariumsgerät heran.
Die Lichtfädentechnik liefert (noch) mehr Brillianz und einen "naturgetreueren" Anblick als ein Beamersystem. Wie lange das noch so sein wird, weiß ich natürlich nicht. Ein Fulldome-System ist im Moment eher eine optimale Ergänzung für ein klassisches Planetariumsgerät, weil es die Möglichkeiten um einiges erweitert.
4. Wird im Planetarium auch geforscht oder werden "nur" die Ergebnisse der Astronomen der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt? Falls ja, mit was beschäftigen sie sich gerade?
Ein Planetarium ist in erster Linie eine Einrichtung zur Vermittlung von Wissenschaft - nicht nur Astronomie, zumindest meiner Ansicht nach.
Wissensvermittlung ist mindestens so wichtig wie Forschung selbst, gerade angesichts der zunehmenden Spezialisierung in der Wissenschaft.
Planetariumsleiter sind mitunter (nicht immer) Wissenschaftler, die aus der Forschung kommen - und dann kann es durchaus sein, daß der Leiter/die Leiterin auch weiterhin Forschung betreibt. Allerdings - und das ist auch bei meinen Kollegen nicht anders - ist das Tagesgeschäft meist dermaßen zeitraubend, daß das fast zu einer Privatangelegenheit wird.
Es müssen ohnehin keine Beobachtungen am Fernrohr sein (die wenigste astronomische Forschung findet heute am Fernrohr statt, meist ist es der Computer - und ein Planetarium hat ohnehin häufig keine Instrumente), aber in anderen Gebieten wie z.B. der Archäoastronomie, Astronomiegeschichte oder der Fachdidaktik sind durchaus einige Kollegen tätig, auch ich, wenn ich Zeit dazu finde (ich bin übrigens von meiner Ausbildung her Historikerin und Publikzistin). Die Ergebnisse werden dann meist in Fachvorträgen dem Kollegen oder auch einem größeren Publikum vorgestellt - letztendlich landen wir also doch wieder bei der Vermittlung
Auf der Sternwarte bei uns gibt es allerdings auch eine kleine Gruppe, die unsere Einrichtung nutzt, um kleinere Projekte für "Jugend Forscht" zu betreiben - mit durchaus Erfolg
5. Wenn die Umbauarbeiten abgeschlossen sind und Sie den regulären Betrieb wieder aufnehmen, haben Sie geplant technische Führungen anzubieten?
Wir haben ab und zu Termine für technische Erklärungen unseres Planetariumsprojektors angeboten - der Andrang war aber nie überwältigend.
Bei den VELVET-Beamern liegt viel Entscheidendes der Technik innen oder in Rechnern/Servern verborgen, was eine Erklärung didaktisch recht kompliziert macht. Ohnehin ist es bei uns meist so, daß sich solche "Fragerunden" spontan ergeben - dadurch, daß die meisten unserer Veranstaltungen live sind, kommen oft interessierte Leute aus dem Publikum auf uns zu und fragen - und dann kann es durchaus nach der Veranstaltung noch eine Stunde "Privatführung" geben
Wir werden auch in Zukunft "flexibel" reagieren, denke ich - wenn hier sehr viele Wünsche an uns herangetragen werden, könnte ich mir feste Termine durchaus vorstellen. Meist machen wir so etwas ohnehin im Rahmen von Sonderterminen, z.B. zu den beiden "Lange Nacht der Museen".
6. Kann man als nicht-Astrophysiker von irgendeiner Sternwarte eine Supernova beobachten?
Hm, eine Supernova beobachten?
Mir ist die Frage nicht ganz klar... Supernova-Überreste, soweit mit den Instrumenten einer Sternwarte beobachtbar, bekommen Sie in normalen Volkssternwarten durchaus gezeigt, z.B. den Crab-Nebel.
Den Ausbruch einer Supernova direkt zu beobachten gelingt extrem selten.
Meist entdeckt man sie erst hinterher, eben dann, wenn auf z.B. zwei Photographien ein Stern plötzlich "heller" geworden ist. Oft ist das ein "Nebenprodukt" einer automatischen Himmelsdurchmusterung. Es ist sehr schwer, eine Supernova exakt vorauszusagen - wir haben eine Menge Kandidaten, die "demnächst" zu einer Supernova werden könnten - nur heißt in astronomischen Maßstäben "demnächst" irgendetwas zwischen heute Abend und ein paar Zehntausend bis hunderttausend Jahren... Ansonsten gilt leider: Beobachtungszeiten an Profi-Sternwarten sind sehr rar, und ohne ein Forschungsprojekt kommt man kaum ran. Allerdings gibt es immer wieder solche Dinge wie die "Lange Nacht der Wissenschaft" oder Führungen an auch für die Forschung eingesetzten Fernrohren...
Einfach mal schauen, was in der Nähe interessant sein könnte, und mal auf deren Website nachsehen. Eine weitere Möglichkeit - wenn Geld keine so große Rolle spielt - sind astronomische Reisen, wie sie z.B. von http://www.astronomische-reisen.de oder bei http://www.astronomie.de/reisen/index.htm organisiert werden. Durch die Fachbetreuung kommt man dann manchmal an Orte heran, die man sonst nicht besichtigen kann.
7. Wieso werden einige Supernovae nicht nach der klassischen Benennung, sondern z.B. so: "ROTSE3 J235704.6-341106, ATEL 2790 discovered 2010/07/17.02 by ROTSE collaboration" benannt?
Das sind die tw. automatischen Himmelsdurchmusterungen, von denen ich eben schon sprach - ROTSE ist z.B. das "Robotic Optical Transient Search Experiment" Bei Kometen oder auch bei Exoplaneten gibt es mittlerweile ein ähnliches Phänomen, "OGLE-2005-BLG-390L b" ist der Name eines Exoplaneten um einen Stern im Sternbild Schütze, entdeckt vom "Optical Gravitational Lensing Experiment" (OGLE). Meist gibt es auch mehrere Bezeichnungen für ein Objekt, je nach dem Katalog, den man nutzt - bei z.B. Sternen oder Galaxien ist das so.
Die beiden letzten Fragen stammen nicht von mir, sondern von Jule aus unserer kleinen Community, seid ihr eigentlich auch schon angemeldet?
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August 28th, 2010
Vielen Dank schonmal für die Beantowrtung der beiden Fragen (auch wenn die erste meinerseits etwas verwirrt gestellt wurde). Natürlich ist mir klar, dass man nicht mal eben so eine Supernova beobachten kann, allerdings interessiert es mich an Nicht-Astrophysikerin, wie man z.B. eine solche gefunden hat oder was für eine Bedeutung eine neu-entdeckte Supernova haben kann.
Ich werde mal schauen, ob es nicht solche Besuchsangebote in meiner Nähe gibt.